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Sanddorn richtig ernten, pflanzen und verarbeiten

Sanddorn ist eine bekannte Pflanze, der man im Herbst mit ihren orangefarbenen Früchten an trockenen Standorten und zunehmend Autobahnrändern begegnet. Die Gattung der Sanddorne (Hippophae) besteht aus 3 bis 5 laubabwerfenden Strauch- und Baumarten. Sie sind in Europa und Asien an Dünengebieten, Gerölllandschaften und Felsformationen verbreitet. Auffällig sind ihre graugrünen Blätter und die typischen orangefarbenen Früchte im Herbst. Bei ihnen handelt es sich um beerenartige Scheinfrüchte, die sich aus dem Blütenboden entwickeln und die einsamige Frucht umschließen. Die Scheinbeeren bleiben den gesamten Winter über am Strauch haften, sind Nahrungsquelle für Vögel und zieren dekorativ den winterlichen Garten. Die Früchte werden zum Wildobst gezählt, denn sie weisen einen außerordentlich hohen Gehalt an Vitamin C, sowie weitere Vitamine und Mineralstoffe auf. In der Volksmedizin wird die immun- und nierenstärkende Wirkung des Sanddorns geschätzt. Äußerlich wird das fetthaltige Öl aus der Frucht oder dem Kern bei Hautproblemen empfohlen. Dank der guten Eigenschaften wird es heute vielfältig in industriellen Kosmetikprodukten verwendet.  

In Gärten und Landschaft ist der Gewöhnliche Sanddorn (Hippophae rhamnoides) verbreitet. Der Strauch wird 3 bis 6 Meter hoch, dessen Triebe stachelig wirken und graugrüne Blätter ausbilden. Eine Besonderheit ist die Zweigeschlechtlichkeit des Sanddornes. Es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Damit an den weiblichen Pflanzen ein Fruchtansatz entsteht, muss in der Nähe eine männliche Pflanze stehen. Ohne das zweite Geschlecht ist keine Fruchtbildung möglich. Die winzigen weißlichen Blüten erscheinen im Frühling vor oder mit dem Laubaustrieb in Trauben. Mit der Bestäubung durch Wind und Insekten kommt es zur Fruchtbildung im Herbst. Die orangen Früchte mit den dunklen Sprenkeln werden im Herbst geerntet und weiterverarbeitet. Obwohl die Früchte im Winter am Strauch haften bleiben, verlieren sie mit fortschreitender Zeit ihr Aroma. Für den professionellen Anbau sind ertragreichere Sorten (z.B. 'Hergo' mit großen gelborangen Früchten oder 'Leikora' mit kompaktem Wuchs) gezüchtet worden.

Der Sanddorn besitzt einen hohen ökologischen Wert. Er bietet Kleintieren Nahrung, eignet sich als Hecke oder Windfang und befestigt durch sein ausgebreitetes Wurzelwerk lockere trockene Böschungen. Bemerkenswert ist die Salztoleranz des sommergrünen Strauches, der immer häufiger als Windschutzpflanzung in Küstenregionen Verwendung findet.

Im Garten können Sanddorne als Erosionsschutz an trockene Hanglagen, in Naturgärten oder lockere Strauchrabatten gepflanzt werden. Eine Sanddornhecke bildet einen Sichtschutz zum Gartennachbarn und bietet Vögeln schützende Rückzugsorte. Da die Sanddornsträucher sehr pflegeleicht sind und häufig als Pionierpflanzen empfohlen werden, eignen sie sich für Einsteiger und Gartenneulinge.

 

Inhaltsverzeichnis

 

Wie wird Sanddorn richtig gepflanzt?

Der Sanddorn ist ein mittlerer bis großer Strauch, der eine Höhe und Breite von bis zu 6 Metern erreichen kann. Um eine Fruchtbildung zu sichern, müssen mindestens eine männliche und eine weibliche Sanddornpflanze sich in der Nähe befinden. Bei der Anpflanzung von mehreren Sanddornen, beispielsweise als Hecke kommt auf 8 weibliche Pflanzen, ein männlicher Strauch (Verhältnis 1:8). Die unterschiedlichen Geschlechter müssen nicht zwangsläufig nebeneinanderstehen, insofern genügend Platz vorhanden ist. Es reicht auch aus, wenn in der näheren Umgebung ein männliches Exemplar wächst.

Vollsonnige Standorte mit lockerem oder leichtem Boden mit leichtem Kalkgehalt sind zu empfehlen. Bei schweren Böden ist die Durchlässigkeit durch das großzügige Einmischen von Sand oder Kies zu erhöhen. Guter Wasserabzug ist beim Sanddornanbau das A und O, denn Staunässe ist das Einzige, worauf der Strauch empfindlich reagiert. Ein Abstand von 1,2 bis 2 Meter zum Nachbarn sollte für den Sanddorn eingeplant werden.

Die Pflanzung von Sanddorn ist im Frühjahr und Herbst optimal. Bei Frühjahrspflanzungen sollte im Jahr auf eine ausreichende Wasserversorgung geachtet werden, damit sich die Pflanze am Standort etablieren kann. Einmal angewachsen, bedarf sie kaum zusätzlicher Wassergaben.

Wie wird Sanddorn richtig gepflegt?

Die Pflege des Sanddorns ist gering. Als Sonnenliebhaber benötigen die Sträucher volles Licht. Es ist ratsam, größere bzw. schattierende Nachbarn regelmäßig zu beschneiden. Dünger- und Wassergaben sind bei etablierten Sträuchern nicht notwendig. Lediglich bei starken Hitze- und Trockenperioden kann gewässert werden, um die Ertragsausfälle zu vermeiden.

Rückschnitt bzw. Schnittmaßnahmen im Allgemeinen sind bei Sanddorn kaum notwendig. Nur wenn Zweige schief oder quer wachsen bzw. eine gesunde Kronenbildung beeinträchtigen, werden sie im Spätsommer gekürzt oder herausgeschnitten. Als frühblühendes Gehölz blüht Sanddorn am vorjährigen Holz. Wird es durch starke Schnittmaßnahmen entfernt, sind Blüten- und Ernteverlust die Folge. Schädlinge sind im Hausgarten kaum zu befürchten. Lediglich im erwerbsmäßigen Anbau kann ein Befall durch die Sanddornfruchtfliege möglich sein.

 

Wie vermehrt man Sanddorn?

Die Vermehrung von Sanddorn ist sowohl durch Samen als auch vegetativ durch Steckling oder Steckhölzer möglich. Samen werden im Frühjahr ausgesät. Die Keimung kann durch vorheriges Stratifizieren und Kälteeinwirkung angeregt werden. Halbverholzte Stecklinge werden im Sommer und Steckhölzer im Herbst bewurzelt.

 

Wie wird Sanddorn geerntet?

Wenn die Früchte im Herbst ausgereift sind und ihre typische orange Farbe entwickeln, werden sie geerntet. Vorsicht ist bei der Sanddornernte geboten, denn die Zweige entwickeln verdornte Kurztriebe, die Verletzungspotential haben. Da die Ernte recht mühselig ist, können größere Äste mittels Schnur in Reichweite gezogen werden. Ein Tuch auf dem Boden fängt die Früchte auf, die mit einer Schere abgeschnitten werden. Bei der Ernte mit den Fingern zerdrückt man rasch die Beeren.

Bleiben die Früchte länger am Strauch haften, verlieren sie ab dem Herbst zunehmend ihr Aroma. Die Ernte sollte daher nicht auf die lange Bank geschoben werden.

 

Wie kann Sanddorn verarbeitet werden?

Die geernteten Scheinbeeren werden frisch im Ganzen verwendet, zu Fruchtmus, Marmelade, Gelee oder Sirup weiterverarbeitet. Sie eignen sich zudem zur Saftherstellung. Die Früchte haben einen angenehm säuerlichen Geschmack, sind vitaminreich, reich an Mineralstoffen, wirken adstringierend und entzündungshemmend. Sie werden bei Erkältungen und fiebrigen Erkrankungen verabreicht. Früchtebrei oder eine Aufkochung wird in der Naturmedizin bei Darmproblemen empfohlen. Äußerlich kommt Sanddorn als Stärkungsmittel bei empfindlichem Zahnfleisch, Schleimhautentzündungen oder Juckreiz zum Einsatz.

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