Zurück

Hauswurz richtig pflegen, pflanzen und vermehren

Hauswurzen sind bekannte Polsterstauden. Man kennt sie auch unter den Bezeichnungen Dachwurz und Steinrose. Anzutreffen sind sie überall dort, wo kaum andere Pflanzen überleben können. Sei es bei der Dachbegrünung, in winzigen Fugen im Steingarten, in Gefäßen oder auf Extremstandorten. Mit ihren immergrünen Blattrosetten trotzen sie der Hitze und Trockenheit im Sommer genauso gut wie frostiger Kälte im Winter.

Der botanischen Gattung Sempervivum gehören knappe 50 Arten von Hauswurzen an. Kulturformen, Auslesen und Sorten gibt es hingegen in kaum überschaubarer Anzahl. Sie sind so zahlreich, dass sich viele Formen nicht mehr unterscheiden und identifizieren lassen. Hauswurzen nehmen willig Pollen anderer Arten und Sorten an, wodurch es ständig zu neuen Kreuzungen kommt. Ihre natürliche Heimat sind die Gebirge und Felsformationen in Europa und Asien.

Als Vertreter von Dickblattgewächsen (Crassulaceae) bilden Hauswurzen aus sukkulenten Rosetten immergrüne Matten und Polster. Ihre Blattrosetten setzen sich aus spitzen, oftmals am Rand borstigen oder netzartig behaarten Blättern zusammen. Sie sind sehr vielgestaltig in ihrer Form und Schattierung. Manche Arten und Sorten haben kugelige, geschlossene oder sternförmig ausgebreitete Blattanordnungen. Die Farben reichen von grün, über rot, rotgrüne bis zu orange. Diese Mannigfaltigkeit hat sie in den Blickpunkt vieler Pflanzensammler gerückt, zumal sie anspruchslos und äußerst pflegeleicht sind.

Während des Sommers streben aus älteren Rosetten aufrechte Blütenschäfte. Markant ist die dachziegelartige Beblätterung der fleischigen Blütentriebe. An ihrem Ende stehen dreiteilige Wickel mit sternförmigen Blüten von gelber, rosa oder roter Farbe. Nach der Blüte sterben diese Rosetten ab und werden durch Tochterrosetten an seitlichen Ausläufern ersetzt. Daraus formt sich ein scheinbar unendlicher Regenerationsprozess, der Hauswurzen ein langes Leben beschert. Zudem erklärt es möglicherweise die botanische Namensherkunft, die sich als „immerlebend“ (semper und vivium) übersetzen lässt. Ganz sicher ist diese Interpretation jedoch nicht, denn es gibt weitere Deutungen.

Hauswurzen sind in der Gartenkultur gern gesehene Polsterpflanzen. Sie begrünen Bereiche, in den die meisten anderen Pflanzen kaum eine Überlebenschance haben. Sogar Standortexperimente nehmen sie selten übel.

 

Inhaltsverzeichnis

 

Wie wird die Hauswurz richtig gepflanzt?

Hauswurzen lassen sich im Garten vielfältig einsetzen. Sie können gut mit Sonne und Trockenheit umgehen. Großer Wurzelraum wird ebenso wenig benötigt wie besondere Pflege. Man gibt Hauswurzen einen sonnigen Platz, gepaart mit kargem Boden und hervorragendem Wasserabzug. Empfehlenswert ist ein Schutz vor eisigen Ostwinden, die Ursache für Frosttrocknis an den Rosettenpolster sein können. Diese Ansprüche beziehen sich sowohl auf ausgepflanzte Hauswurzen als auch auf die, die in Töpfen und Gefäßen wachsen.

Beim Boden ist Drainage das Zauberwort. Sand, Kies, Blähton, Splitt – jedes Drainagematerial ist möglich – Hauptsache die Nässe zieht ab. Hauswurzen tolerieren wirklich viel, aber staudende Nässe bedeutet ihr Todesurteil. Wenn die Gartenerde nicht sandig genug ist, wird großzügig Drainagematerial eingemischt. Damit die Hauswurz-Rosetten keinesfalls in der Nässe liegen, wird um die Pflanze eine Kiesschicht aufgetragen. Dank ihr sitzen die Blattrosetten stets auf dem Trockenen und können nicht faulen. Kompost oder Dünger gehören nicht in die Erde, denn sie machen die Hauswurzen mastig und empfindlich.

In Töpfen, Kübeln, Trögen oder anderen kreativen Pflanzgefäßen wird als Substrat Kakteenerde oder stark mit Sand vermischte Pflanzerde verwendet. Zwingend notwendig sind Löcher für den Wasserabzug am Gefäßgrund.

Wie pflegt man die Hauswurz?

Die Pflege der Hauswurzen lässt sich in wenige Sätze zusammenfassen. Gießen ist nur in extremen Trockenperioden notwendig. Wenn gegossen wird, dann nicht auf die Rosetten, sondern nur das Erdreich wird befeuchtet. Sammelt sich Nässe zwischen den Blättern ist Fäulnis vorprogrammiert. Gleiches gilt für dichte Polster, die nicht mehr Abtrocknen können. Verfaulte oder abgeblühte Rosetten werden regelmäßig mit einem Messer herausgetrennt.

Stark behaarte Hauswurzen, z.B. Spinnweben-Hauswurz (Sempervivum arachnoideum), werden im Winter mit einer Glasscheibe als Nässeschutz abgedeckt. Düngungen sind für die äußerst bescheidenen Hauswurzen kaum notwendig. Nur bei den Formen mit besonders großen Rosetten kann eine gelegentliche bzw. schwache Düngung das Wachstum verbessern.

 

Wie vermehrt man die Hauswurz?

Am einfachsten erfolgt die Vermehrung der Hauswurzen durch Teilung im Frühjahr. Ein Teil des Polsters wird abgestochen und an einen neuen ebenbürtigen Platz versetzt. Ebenso können Nebenrosetten abgenommen und während des Frühjahrs im Vermehrungssubstrat bewurzelt werden.

 

Welche Verwendung hat die Hauswurz?

Die außerordentliche Anspruchslosigkeit setzt den Hauswurzen scheinbar keine Grenzen bei ihren Verwendungsmöglichkeiten. Sie sind in vielen Steingärten zu finden. Hübsche Partner sind Blaukissen (Aubrieta), Silberraute (Artemisia schmidtiana), Gänsekresse (Arabis), Felsenblümchen (Draba) oder Katzenpfötchen (Antennaria). Zwischen Steinen bewachsen sie mit ihren Rosettenpolstern größere Flächen und quetschen sich in kleinste Steinfugen. Diese begrünen sie gekonnt auch in vertikalen Trockenmauern oder sitzend auf der Mauerkrone. Beliebt sind sie insbesondere als extensive Dachbegrünung. Zuverlässig bilden sie blühende Gründächer ohne jegliches Zutun. Gemeinsam mit Sandthymian (Thymus serpyllum), verschiedenen Mauerpfeffern (Sedum), Heidenelken (Dianthus deltoides) oder trockenheitsverträglichen Zwerggräsern entstehen insektenfreundliche bunte Pflanzungen auf Dachflächen. Es müssen auch nicht immer die großen Maßstäbe sein, denn dekorativ sind beispielsweise auch kleine Gründächer auf Vogelhäusern.

Die wüchsigen Eigenschaften werden zudem in der dauerhaften Grabbepflanzung geschätzt. Hauswurzen sind Einfassungen oder Beetumrandungen möglich. Durch die gezielte Auswahl und Variation der Rosettenfarben lassen sich musterartig Flächen begrünen.

Besonders hübsch und häufig verwendet, findet man Hauswurzen in Töpfen, Trögen oder sonstigen Gefäßen. Kaputte Tontöpfe, alte Lederschuhe, Eimer oder anderer Hausrat kann als Pflanzgefäß dienen, insofern für einen guter Wasserabzug gesorgt wird. Hauswurzen sind hervorragende Einstiegspflanzen für Kinder. Da sie kaum Pflege erfordern und auf die Kleinen eine magische Anziehungskraft ausüben, kann mit ihnen der grüne Daumen geprobt werden. Erfolgserlebnisse sind fast immer garantiert.

Die gewöhnliche und weit verbreitete Dachwurz (Sempervivum tectorum) ist in der Kräuterkunde ein Begriff. Im Mittelalter sollte sie dank magischer Kräfte vor Blitzschlag schützen. In der Naturmedizin ist ihre adstringierende, entzündungshemmende, harntreibende und kühlende Wirkung bekannt. Bis heute wird sie von Kräuterkundlern bei Hautproblemen angewendet. Stiche, Warzen, Verbrennungen, juckende Haut oder Hühneraugen sind Beispiele für eine äußerliche Anwendung. 

 

Welche Hauswurz Arten gibt es?

Reine Arten sind weniger verbreitet als die zahlreichen Sorten der Hauswurzen. Bei den Kulturformen gibt es eine unüberschaubare Vielfalt, denn sie kreuzen sich untereinander sehr willig und bilden immer neuer Hybriden.

  • Sempervivum arachoideum (Spinnweben-Hauswurz) – Markante Art mit spinnwebenartiger Behaarung über den Rosetten. Gegen Winternässe empfindlich.
  • Sempervivum giuseppii – wüchsige Hauswurz aus SW-Europa mit kleinen kugeligen Rosetten
  • Sempervivum montanum (Berg-Hauswurz) – Heimische Art aus Zentraleuropa mit sternförmigen Rosetten. Neigt zur Hybridisierung.
  • Sempervivum tectorum (Dach-Hauswurz, Echte Hauswurz) – Bekannte und weit verbreitete Art mit offenen grünen Rosetten, die purpurn überlaufen.

 

Ist die Hauswurz giftig?

Hauswurze sind nicht giftig, können aber wie andere Dickblattgewächse bei Überdosierung zu Erbrechen, Übelkeit und leichten Vergiftungserscheinungen führen.

nach oben