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Tillandsien richtig pflegen, befestigen und vermehren

Für den Wohnraum gibt es kaum Pflanzen, die noch weniger Aufmerksamkeit und Pflege als Tillandsien (botanisch Tillandsia) bedürfen. Sie leben größtenteils epiphytisch und beziehen Wasser sowie Nährstoffe aus der Luft. Die Gattung der Tillandsien, benannt nach dem finnischen Botaniker Tillands, umfasst über 600 Arten. Sie gehören zu den immergrünen Bromelien (Bromeliaceae) und stellen von ihnen die größte Gruppe dar. Eine Verwandtschaft zur bekannten Ananas besteht von familiärer Seite. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet sind die Subtropen und Tropen vom südlichen Nordamerika bis ins südliche Südamerika. Sie kommen in Wäldern oder Gebüschen vor, wo sie überwiegend aufsitzend (epiphytisch), seltener in der Erde (terrestrisch) oder auf Steinen (epilithisch) wachsen. Ihre Lebensräume sind sehr unterschiedlich, denn manche Arten sind in Steppengebieten von Hochgebirgen und andere in tropischen Regenwäldern zu finden.

Der Spross der Tillandsien wurzelt nur vereinzelt im Boden. Am häufigsten sitzen sie auf anderen Pflanzen, Steinen oder Baumstämmen ohne sie zu parasitieren. Halt geben ihnen lediglich Haftwurzeln. Durch ihre aufsitzende Lebensweise nennt man sie Aufsitzerpflanzen (Epiphyten). Tillandsien bilden riemenförmige bis schmal dreieckige Blätter, die rosettenartig zusammengesetzt sind und auffällige Blattscheiden zeigen. Bei einzelnen Arten laufen die Blätter in schmale fadenartige Spitzen aus. Die Rosetten sind teilweise wie Trichter geformt, um Wasser zu sammeln. Ihre Besonderheit ist, dass sie Nährstoffe und Wasser lediglich aus der Luft aufnehmen. Verantwortlich sind dafür Saugschuppen, die sich auf den Blättern Weißer und Grauer Tillandsien finden lassen. Der Großteil der Tillandsien entwickelt röhren- bis trichterförmige Blüten, bestehend aus jeweils drei Kelch- und Kronblättern. Sie erscheinen erst nach Jahren, einzeln oder im pinselförmigen Blütenstand, umgegeben von farbenfrohen Hochblättern. Die Blütezeit liegt in den Übergangszeiten von Frühjahr und Herbst.

Tillandsien werden in Grüne, Graue und Weiße Tillandsien unterschieden. Grünblättrige Arten leben oftmals terrestrisch und wachsen wie gewöhnliche Pflanzen in normaler Erde bzw. Humus. Bei weiß- und graublättrigen Tillandsien handelt es sich um besagte Aufsitzerpflanzen.

 

Inhaltsverzeichnis

 

Wie werden Tillandsien richtig gepflanzt?

Tillandsien werden bei uns aufgrund mangelnder Frosthärte als Topfpflanzen bzw. zur Ampel- oder Wandbegrünung gehalten. Grüne Tillandsien (terrestrisch) kultiviert man an heller Stelle abseits der vollen Sonne wie wärmeliebende Topfpflanzen. Eine erhöhte Luftfeuchtigkeit bekommt ihnen recht gut, ganz im Gegenteil zu Zugluft. Den Sommer können sie an halbschattiger Stelle im Freien verbringen. Sinken die Nachttemperaturen unter 15°C, holt man die Pflanzen wieder ins Haus. Dort müssen sie nicht direkt am Fenster stehen, sondern akzeptieren auch jede andere helle Lage. Als Substrat kann Orchideen- oder Zimmerpflanzenerde verwendet werden. Zum Einpflanzen wird die Blattbasis an oder knapp über die Bodenoberfläche gesetzt. Während der Wachstumszeit hält man Grüne Tillandsien feucht und gibt monatlich einen stickstoffarmen Dünger in halber Dosis. Während des Winters werden sie möglichst hell gestellt und zurückhaltend gegossen. Auf Düngungen wird gänzlich verzichtet.

Graue oder Weiße Tillandsien sind überwiegend Epiphyten. Im Gegensatz zu normalen Pflanzen brauchen sie keinen Topf mit Erde zum Wachsen, sondern können faktisch überall platziert werden. Sie bilden daraufhin Haftwurzeln, mit denen sie sich an Holz, Rinde, Draht oder Steinen festklammern. Man kann sie auch an der reinen Wand befestigen. Als Wandschmuck muss man berücksichtigen, dass durch regelmäßiges Besprühen oder Nebeln der Untergrund in Mitleidenschaft gezogen wird. Besonders dekorativ wirken bepflanzte Bilderrahmen, größere Borkenstücke oder abgeschälte Baumstämme als lebende Wanddekoration. Ebenso lassen sich Katzenbäume zu Lebensräumen für Farne und Tillandsien umfunktionieren. Wem die Idee gefällt, kann auch Stricke von der Decke hängenlassen, an denen später die Gewächse befestigt werden. Ein toller Wandschmuck lässt sich durch einen hängenden Tillandsiengarten, beispielsweise im Bad errichten. Ein großmaschiges Drahtgeflecht wird an der Decke befestigt. In die Knoten der hängenden Konstruktion werden die Tillandsien befestigt. Sobald sie festen Halt haben, begrünen sie wie ein vertikales Beet die Wand. Der Kreativität sind in Sachen Tillandsien kaum Grenzen gesetzt. 

Wie werden Tillandsien befestigt?

Die Epiphyten werden nicht gepflanzt, sondern an ihren Bestimmungsort geklebt oder angebunden. Verwendet wird kein Heiß-, sondern Sekunden- bzw. Silikonkleber. Zum Anbinden dient eine Angelschnur, ein Kabelbinder oder ein Nylongewebe. Sobald Tillandsien Haftwurzeln gebildet haben und sich am jeweiligen Gegenstand verankert haben, kann die Befestigung wieder gelöst werden.

 

Wie pflegt man die Tillandsien?

Die epiphytisch wachsenden Grauen oder Weißen Tillandsien werden täglich mit kalkfreien (Regen-) Wasser oder stillem Mineralwasser besprüht und eingenebelt. Im Winter sprüht man lediglich noch zwei- bis dreimal wöchentlich. Sind die Pflanzen mobil befestigt, können sie auch abgenommen und getaucht werden. Sobald sie Feuchtigkeit erhalten, färben sie sich die Blätter grünlich. In der Wachstumszeit wird dem Sprühwasser eine schwache Dosis flüssigem Orchideendünger beigemischt.

Bei ihren grünen Geschwistern wird auf möglichst hohe Luftfeuchte geachtet. Von April bis Oktober erhalten sie monatlich eine stickstoffarme Düngung, möglichst in halber Konzentration. Terrestrische bzw. Tillandsien topft man alle drei bis vier Jahre um.

 

Wie vermehrt man Tillandsien?

Vermehrt werden Tillandsien durch Ableger im Frühjahr. Sie werden von der Mutterpflanze vorsichtig getrennt und an neuer Stelle angeheftet. Die Mutterpflanze stirbt in aller Regel nach ihrer Kindelbildung.

 

Welche Verwendung haben Tillandsien?

Die zu den Bromelien gehörenden Tillandsien sind bei uns beliebte Zimmergewächse. Grüne Tillandsien begeistern und fallen mit ihren farbenfrohen Hochblättern auf. Graue oder Weiße Tillandsien sind besonders, da sie ohne Erde wachsen. Sie lassen sich nahezu überall befestigen und erwecken Gegenstände und Wände zum Leben. Ein außergewöhnlicher und pflegeleichter Blickfang gleichermaßen.

 

Welche Tillandsien Arten gibt es?

Von den über 600 Arten ist nur ein kleinerer Teil in gärtnerischer Kultur. Doch für eine Vielfalt im Wohnzimmer sicherlich mehr als ausreichend.

  • Tillandsia aeranthos – Graue Tillandsie mit ca. 15 cm breiten Rosetten und spitz zulaufenden Blättern und dunkelroter bis purpurner Blüte
  • Tillandsia argentea – Graue Tillandsie mit Rosetten aus kurz gebogenen Sprossen und roten bzw. blauen Blüten im Frühjahr
  • Tillandsia cyanea – Grüne und epiphytische Tillandsie mit rosa- bis violettfarbenen Tragblättern und großem Bekanntheitsgrad
  • Tillandsia flabellata – Grüne Tillandsie mit roter Blüte im Frühling
  • Tillandsia fuchsii – Graue Tillandsie mit schmalen und spitzeren Blüten und roten Hochblättern
  • Tillandsia ionantha – Himmelpflanze oder auch Wüsten-Tillandsie genannt, graue Tillandsie, auch wenn sie optisch eher grün aussieht
  • Tillandsia lindenii – Grüne Tillandsie mit langen, rotbraun gestreiften Blättern und blauen Blüten umhüllt von rosaroten Tragblättern
  • Tillandsia stricta – Gruppenbildende Graue Tillandsie mit dichten Rosetten mit blauen bis purpurnen Blüten und gelben oder roten Brakteen (Hochblätter)
  • Tillandsia usneoides (Spanisches Moos) – Graue Tillandsie mit langen herunterhängenden Trieben, die äußerlich wie eine Flechte wirkt
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