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Zwetschgen richtig pflegen, verarbeiten und schneiden

Die Zwetschge und die Pflaume – zwei Spielarten der Natur, die im Grunde einander so ähnlich sind, dass man sie als fast identisch bezeichnen kann. Die Zwetschge (Prunus domestica ssp. domestica) wird als Unterart der Pflaume (Prunus domestica) geführt, obwohl der Übergang beider Pflanzen mehr als fließend ist. Sprachlich lässt sich wohl eher eine Trennung vollziehen, denn im norddeutschen Raum spricht man von Pflaumen und in Richtung Süden von Zwetschgen. Regional gibt es weitere Bezeichnungen, wie z.B. Zwetschen oder Quetschen. Gemeint ist meist das Gleiche. Da die Gewächse sehr kreuzungsfreudig sind, gibt es weitere Unterarten. Ihr Spektrum reicht von Renekloden, Kriech-Pflaumen, Spilling, Ziparte, Mirabelle, Pflunder und einige mehr. Botanisch vermutet man hinter der Pflaume eine natürliche Kreuzung zwischen Kirschpflaume (Prunus cerasifera) und Schlehe (Prunus spinosa).

Zwetschgen sind variable laubabwerfende Bäume mit einer schmalen Krone von bis zu 10 Metern Höhe. Äste und Zweige sind glatt und von einer graubräunlichen Rinde ummantelt. Zuweilen bilden sie dornartige Auswüchse und kleine Korkwarzen. Die elliptischen bis länglichen Blätter haben eine dunkelgrüne Oberseite und sind unterseits heller. Im Frühling erscheinen 5-zählige weiße Blüten büschelweise. Nach erfolgter Befruchtung erscheinen ab dem Hochsommer dunkelblaue oder schwarzblaue Steinfrüchte – die Pflaumen bzw. Zwetschgen. Ihr Erntezeitraum reicht bei späten Sorten bis in den Oktober hinein. In den Früchten sehen Experten kleine Unterschiede zwischen Pflaumen und Zwetschgen. Pflaumen bilden eher rundliche Früchte, Zwetschgen hingegen längliche bis spitz zulaufende Früchte. Ihr Stein löst sich zudem gut vom grünlich-gelben Fruchtfleisch. Im Geschmack sind sie jedoch weitestgehend ähnlich.

Zwetschgen zählen zum klassischen Hausobst, das in den meisten Nutz- und Obstgärten anzutreffen ist. Man baut sie für ihre Früchte an, die frisch, gekocht oder gebacken vielseitig in der Küche Verwendung finden.

 

Inhaltsverzeichnis

 

Wir werden Zwetschgen gepflanzt?

Zwetschgen lieben sonnige warme Plätze im Garten, die einen leichten Schutz vor kalten Winden bieten. Ein durchlässiger, nährstoffreicher und gleichmäßig feuchter Boden gelten als ideal für die Zwetschgen-Kultur. Die Standortanforderungen der einzelnen Sorten variieren zum Teil. Am besten lässt man sich vor dem Kauf kompetent beraten. In diesem Zuge wird ebenfalls in Erfahrung gebracht, ob die ausgewählte Sorte selbstfruchtend ist oder ob eine zusätzliche Befruchtersorte notwendig wird. Bedarf es einer zweiten Sorte, muss ausreichend Platz für zwei Bäume im Garten vorhanden sein.

Als Pflanzzeit empfiehlt sich der Herbst oder das zeitige Frühjahr. Containerpflanzen können auch noch später in der Wachstumsperiode gesetzt werden. Man gibt den Obstgehölzen mindestens einen Pflanzabstand von 5 Metern. Bei kleineren Sorten kann der Abstand reduziert werden. Vor dem Einpflanzen werden wurzelnackte Zwetschgen für einige Stunden im Wasserbad getränkt. In der Zwischenzeit wird das Pflanzloch ausgehoben und der Boden gegebenenfalls verbessert. Bei Sandböden wird der Erdaushub stark mit Kompost angereichert. Für die erste Zeit verbessert sich die Nährstoff- und Wasserspeicherfähigkeit an der Wurzel. Bei schweren Lehm- oder Tonböden lockert man den Grund der Pflanzgrube und drainiert die ausgehobene Erde mit Sand oder Kies. Die Zuschlagsstoffe erhöhen die Durchlüftung im Boden und verbessern die Bodenerwärmung. Die Zwetschge wird anschließend gerade, keinesfalls zu tief ins Pflanzloch eingesetzt. Man füllt die Grube mit Erde auf, tritt sie vorsichtig fest und wässert das Gehölz an. Ein Stützpfahl gibt größeren Bäumchen die notwendige Stabilität. Winde können den jungen Zwetschgenbaum umkippen und für Schiefwuchs sorgen. Beim Einschlagen wird darauf geachtet, dass keine Wurzeln verletzt werden. Die straffe Fixierung am Stamm darf nur so fest sein, dass sie keinesfalls das Gewebe einschnürt. Mit zunehmenden Stammwachstum lockert man stückchenweise die Fixierung. Pflanzschnitte sind nur bei wurzelnackten Zwetschgen und im Frühjahr notwendig. Hierbei wird ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Wurzel und Krone angestrebt. Erwirbt man das Bäumchen in einer Baumschule, kann davon ausgegangen werden, dass dieses Verhältnis im Einklang steht. Maximal vier kräftige Zweige belässt man als zukünftige Leittriebe um den Stamm. Der Rest wird weggeschnitten. Pflanzschnitte sind bei Containerpflanzen (mit Wurzelballen) überflüssig.

Wie pflegt man Zwetschgen richtig?

Junge Zwetschgenbäume werden im Sommer und in Trockenperioden regelmäßig gewässert. Wenn sich der Boden erwärmt hat, wird die Baumscheibe vorsichtig aufgehackt bzw. gelockert. Anschließend trägt man Kompost als Mulchschicht um das Obst auf. Das organische Material bringt wachstumsförderliche Nährstoffe mit, hebt den Humusgehalt an und aktiviert das Bodenleben.

Kulturobst, zu dem die Zwetschgen zählen, benötigt regelmäßige Schnittmaßnahmen. Im jungen Stadium erzieht man die Gehölze durch das Schneiden und fördert den Kronenaufbau. Später bei ausgewachsenen Exemplaren gilt das Augenmerk dem Ertrag und der Erhaltung. Die ersten Jahre schneidet man nach dem Hochsommer, alternativ im Herbst nach dem Laubfall. Alle Wasserschosse werden beim Erziehungsschnitt entfernt. An jedem, der Leittriebe werden etwa 8 nach außen wachsende Seitentriebe belassen und die restlichen Zweige zurückgeschnitten. Stark aufrecht wachsende Triebe, Konkurrenz zu den Leittrieben, werden ebenfalls entfernt. Mit der Zeit formt sich eine gleichmäßige Krone.

Bei älteren Zwetschgenbäume steht weniger der Kronenaufbau als die Pflanzenvitalität und Ertragssicherheit im Vordergrund. Zwetschgen fruchten am mehrjährigen Fruchtholz, das bereits nach wenigen Jahren vergreist. Beim Verjüngungsschnitt legt man Wert darauf, vitale und jüngere Triebe zu fördern. Nach der Ernte werden Kronen ausgelichtet. Verwachsene Kronen werden stark ausgeschnitten. Große Schnittwunden werden jedoch möglichst vermieden und mit Baumwachs verschlossen. Straff aufrechte Konkurrenztriebe werden vollständig entfernt oder auf jüngere Triebansätze zurückgeschnitten. Vergreistes Fruchtholz kürzt auf einen jüngeren Seitentrieb ein.

Winterschutz benötigen etablierte Zwetschgenbäume nicht. Jungbäume können mitunter etwas empfindlicher reagieren. Durch das Einwickeln mit Frostschutzvlies beugt man Erfrierungen des jungen Holzes vor.

 

Wie vermehrt man Zwetschgen richtig?

Man kann Zwetschgen durch Aussaat oder durch Wurzelschosse vermehren. Sinnvoll ist es nicht, da die meisten Kultursorten veredelt sind. Sie selbst zu veredeln, erfordert die passende Unterlage, den Edelreis, sowie gärtnerische Erfahrung und Geschick.

Zwetschgen können unter einigen Krankheiten und Schädlingen leiden. Pflaumenwickler, Blattläuse und Frostspanner können öfters Probleme bereiten. Das Anbringen von Leimringen ab dem Spätsommer reduziert die Verbreitung des Frostspanners. Gefährlicher sind Krankheiten, wie Monilia-Fruchtfäule, Schrotschuss-Krankheit oder gar die Scharka-Krankheit. Sie wird durch Viren ausgelöst und ist nicht behandelbar. Sauberkeit und das Entfernen alten Herbstlaubes ist eine simple, aber vorbeugende Maßnahme in Bezug auf mögliche Pflanzenschutzprobleme.

 

Welche Verwendung haben Zwetschgen?

Die Fruchtreife von Zwetschgen beginnt sortenabhängig ab dem Hochsommer. Späte Sorten lassen im Oktober noch Ernten zu. Sobald sich die Zwetschgen in ihren sortentypischen Farbton einfärben, wird in mehreren Durchgängen gepflückt. Die reifen Zwetschgen eignen sich durch ihr fruchtzuckerhaltiges Fruchtfleisch hervorragend für den frischen Verzehr.

 

Wie werden Zwetschgen richtig verarbeitet?

Verarbeitet werden Zwetschgen in Kuchen, Desserts, Obstsalate oder zu Mus. Das Fruchtfleisch behält seine Festigkeit sogar beim Backen. Die Fruchtsüße bereichert herzhafte Speisen oder wird Obstlikören (z.B. Zwetschgenwasser) geschätzt.

 

Wie werden Zwetschgen getrocknet?

Entkernte Zwetschgen lassen sich binnen 6 Stunden im Backofen bei 60 bis 70°C trocknen. Bei Bedarf werden die Früchte zuvor mit etwas Zimt aromatisiert. Während des Trockenvorganges klemmt man einen Kochlöffel in die Tür, damit die feuchte Luft entweichen kann. Noch etwas einfacher gelingt das Trocknen von Zwetschgen mit dem Dörrautomaten.

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